Was tun, wenn ein Kunde nicht zahlt?

Kategorie: geld verdienen

Rechnungen schreiben ist wenn man sich als Freelancer versucht eine tolle Sache, denn in den meisten Fällen hat man 14 Tage später sein Geld. Was aber tun, wenn das eben nicht der Fall ist und der Kunde nicht innerhalb der Zahlungsfrist überwiesen hat?

1. Konversation

Der erste Schritt besteht immer darin mit dem Kunden zu reden, dabei fallt ihr am besten nicht mit der Tür ins Haus sondern geht eher subtil vor. In den meisten Fällen, das ist zumindest meine Erfahrung, lässt sich eine schnelle Lösung finden, bei dem die Rechnung auch bezahlt wird.

2. Zahlungserinnerung

Bei Wiederholungstätern oder wenn das Gespräch nicht erfolgreich ist, schickt ihr als nächstes eine Zahlungserinnerung. Im besten Fall finde das Ganze schriftlich statt und das gilt jetzt wieder allgemein ist die Erinnerung betont freundlich gehalten.

Rechtlich gesehen ist eine solche Zahlungserinnerung soweit ich weiß aber schon als die erste Mahnung zu sehen.

3. Die Mahnung

Wenn auch die Zahlungserinnerung nicht zum begleichen der Rechnung führt, bleibt einem nichts mehr viel übrig, als eine Mahnung zu schreiben. Gemein hin werden bei Mahnungen drei Stufen eingehalten, wofür es generell aber keine gesetzliche Grundlage gibt.

Das schreiben einer Mahnung bedeutet rechtlich, dass der Kunde von nun an in Verzug gerät und man Anspruch auf Verzugszinsen hat. Das sind bei Handelsgeschäften 8% und bei Verbrauchsgeschäften 5%, sofern nicht anders vereinbart.

Da wie unter Punkt 2 schon geschrieben bereits die Zahlungserinnerung als Mahnung gilt, bedeutet dies, dass bei der ersten Mahnung bereits Verzugszinsen berechnet werden können. Ohne eine Mahnung gerät ein Kunde nach 30 Tagen automatisch in Verzug. Das wichtigste bei einer Mahnung ist, dass der Ton unmissverständlich ist, so das der Kunde merkt, dass es einem ernst ist.

Je nach Stufe der Mahnung sollte der Ton immer bestimmter werden und ich würde sogar sagen, für Höflichkeitsfloskeln ist kein Platz in der Mahnung.

Wenn der Kunde jetzt zahlt und ihr ihn weiterhin behalten wollt, dann würde ich euch empfehlen eventuell ein Guthabenverfahren mit ihm zu vereinbaren, um weitere kKomplikationen wenn Möglich zu vermeiden. Das ist natürlich nur möglich, wenn es sich nicht um eine einmalige Dienstleistung handelt.

4. Anwaltsschreiben

Sollten weder Gespräche noch Mahnungen geholfen haben, bleibt euch nur noch der Weg zu einem Anwalt. Vorher würde ich zumindest mit aber überlegen, ob die Kosten und er Aufwand sich lohnen. Wenn es z.B. nur um eine ausstehende Rechnung von 100€ geht, macht es denke ich eher weniger Sinn.

Dass schwerste an dieser Stelle ist, einen Anwalt des Vertrauens zu finden, an den man sich in solchen Situationen wenden kann. Genau an diesem Punkt hängt es bei mir im übrigen auch, solltet ihr also Anwalt sein oder einen guten Kennen, würde ich mich über Tipps freuen.

In den meisten Fällen wirkt schon der Briefkopf eines Anwalts wahre Wunder um den Kunden wieder auf den „rechten“ Weg zu führen. Da er unmissverständlich den Nachdruck der Forderung unterstreicht und zeigt auch, dass es einem wirklich ernst ist.
Es zeigt, dass man bei nicht Zahlung auch ein Verfahren einleiten würde.
Sofern euer Kunde einigermaßen logisch denkt, wird er die Rechnung spätestens jetzt begleichen um weitere Kosten einer Klage und eines Verfahrens zu vermeiden.

Ist das nicht so, so kann der aufgesuchte Anwalt gleich Klage einreichen. Ich für meinen Teil musste so weit aber noch nicht gehen.

Die Anwaltskosten sind immer abhängig von dem Streitwert der geschuldet wird. Wenn ihr euch vorher schon einmal grob über die Kosten informieren wollt, könnt ihr diesen Anwaltskostenrechner nutzen.

5. Die Klage

Ich denke sobald ihr diesen Schritt geht, liegt euch nicht mehr viel daran den Kunden zu halten, denn wenn ihr ihn verklagt, ist er sicher nicht mehr lange euer Kunde. Alleine eine Klageschrift kann ja schon in manchen Fällen als extrinsische Motivation dienen, die Kosten zu begleichen um weitere Kosten durch ein verlorenes Verfahren zu vermeiden.

Ihr solltet euch aber auch bewusst sein, dass das Verfahren vom Ausgang her offen ist. Solltet ihr gewinnen erhaltet ihr einen „Titel“ gegen den Schuldner der 30 Jahre lang vollstreckt werden kann. Eine solche Vollstreckung kostet aber auch erst einmal und muss von euch vorgestreckt werden.

Vor Gereicht kann es noch zu so einigen Unwägbarkeiten kommen, über die ihr euch vorher von eurem Anwalt aufklären lassen solltet. So bringt euch ein Titel z.B. gar nichts, wenn der Schuldner insolvent wird, bevor ihr an euer Geld komme könnt.

Jetzt wo ich so viel über dieses Thema in der Theorie geschrieben habe würde ich gerne wissen, ob ihr schon Erfahrungen in einem der Bereiche gemacht habt und eure Erfahrungen mit uns teilen wollt. Über Kommentare würde ich mich also wie immer freuen.

Dieser Artikel stellt allerdings keine Rechtsberatung dar, sondern lediglich eine Zusammenstellung von Informationen zu diesem Thema.

Sensei

Geschrieben von Sensei am 02. 5. 2010
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19 Kommentare zu “Was tun, wenn ein Kunde nicht zahlt?”

  • Tim_G sagt:

    Je nach Auftragsvolumen empfiehlt es sich, rechtzeitig eine Bonitätsauskunft des (potentiellen) Kunden zu holen, natürlich muss das dann auch in den AGB bzw. den Vetragsbedingungen stehen (Standardklausel). Ich investiere lieber 3 bis 8 Euro in eine Bonitätsauskunft, als dass dich mehreren hundert oder sogar tausenden Euros hinterher laufe. Je nach Volumen und Situation verlange ich (zumindest bei Neukunden) eine Anzahlung (30-50%). Wenn man das alles vernünftig mit dem Kunden bespricht und auch schriftlich festhält, ist das in der Regel kein Problem.
    Sollte dann doch der Fall der Fälle (leider viel zu oft) eintreten, gibt es von mir eine freundliche Zahlungserinnerung mit 8-Tages-Frist. Kommt dann (inkl. 5 Tage für evtl. Überschneidungen durch Banklaufzeit) nix, wird der Kunde per Einschreiben mit Rückschein eine Mahnung, ebenfalls mit 8-Tages-Frist, mit dem Hinweis, dass dieser sich im Zahlungsverzug befindet.
    Wenn dann immer noch nix kommt, geht es entweder an den Anwalt oder bei kleineren Summen beantrage ich den Mahnbescheid auch schon mal selbst.

    Zahlungserinnerungen und (eigene) Mahnschreiben sind dabei allerdings nicht wirklich notwendig, sondern nur eine nette Geste von mir. Wichtig ist, dass der Kunde nachweisbar (!!!) über die Fälligkeit der Zahlung informiert wird, was auch im Vertrag oder auf der Rechnung geschehen kann. Es ist also auch möglich gleich den gerichtlichen Mahnbescheid (kostet je nach Streitwert ab 30,- EUR aufwärts) zu beantragen. Wenn der “Zahlungsunwillige” dann allerdings Einspruch einlegt, sollte man auf jeden Fall einen Anwalt zur Rate ziehen und genau überlegen, ob man das streitige Verfahren eröffnet.

    Dies ist keine Rechtsberatung, sondern nur meine Meinung und basiert auf meinen Erfahrungen.

  • Tanja sagt:

    Die rechtlich notwendigen Schritte sind:
    – 1. Mahnung, 2. Mahnung, 3. Mahnung
    – dann zum Anwalt, Mahnbescheid, Vollstreckungsbescheid
    “Lustig” wirds, wenn der Vollstreckungsbescheid nix bringt, dann wird derjenige eingeladen zur Abgabe der Eidesstattlichen Versicherung. Wenn er zu diesem Termin nicht erscheint, dann wird ein Haftbefehl erlassen.

    Ich hatte in meinem Shop ein paar Mal per Rechnung versendet und musste 4x den Anwalt einschalten (seitdem schick ich nix mehr raus was nicht bezahlt wurde). 1x ging es bis ganz zum Schluss… und was war das Ende vom Lied… die Dame hatte bereits eine eidesstattliche Versicherung abgegeben. Außer Spesen nix gewesen :-(

  • Vielen Dank für den Artikel – gut abgeschrieben.

    Das Original findet sich übrigens hier:
    http://www.freelancer-blog.de/der-kunde-zahlt-nicht/

    Im Freelancer-Blog wird es demnächst auch einen Artikel geben wie man mit solch dreistem Content-Diebstahl umgehen kann.

  • Onassis sagt:

    Was Tanja sagte stimmt nicht ganz!
    Eine Mahnung ist inzwischen nicht mehr rechtlich notwendig.
    Sobald ein Kunde nicht zahlt, ist er automatisch in Verzug und kann mit ganzer Härte angegangen werden.

    Wie früher, das man 1., 2., 3. und dann eine letzte Mahnung geschickt hat ist vorbei.

    Wir hatten sogar vor gut 10 Jahren immer nur eine 1. Mahnung und daach gleich eine letzte Mahnung verschickt.
    Dann haben die Kunden angerufen und sich beschwert, warum sie keine 2. Mahnung mehr bekommen??!!!?? Doof die Leute, oder ;-)

    Onassis

  • Tanja sagt:

    Stimmt nicht wirklich Onassis, bzw. nur, wenn Du auf Deine Rechnung ein explizites Datum schreibst. Sonst ist der Kunde rechtlich nicht im Verzug ;-)

  • Sensei sagt:

    @Tobi, es stimmt das es auf dem Freelanceblog einen sehr ähnlich Artikel gibt. Der Artikel lag bei mir aber schon auf der Platte und ich habe ihn nur wieder gefunden und leicht überarbeitet.

    @ Tanja, also wirklich ein Fälligkeitsdatum, eine Angabe wie fällig innerhalb von 14 Tagen gilt nicht oder?

  • Sorry Sensei,
    der Artikel ist nicht “ähnlich” sondern inhaltlich 1:1 abgeschrieben.

    Struktur, Reihenfolge, Link(s), Zahlen – ALLES ist identisch.
    Hättest du den Artikel selbst geschrieben wäre es zudem sehr unwahrscheinlich,
    dass du exakt die selben Themen und Punkte ansprichst.

    Ich habe diesen Blog ab und zu gerne mal gelesen,
    aber nun kann ich mir ja Vorstellen wie du an deine Artikel kommst.

    Den RSS Feed habe ich soeben gelöscht.

  • Sensei sagt:

    @Tobi mach was du willst, du musst mir nicht glauben ;) Ich frage mich aktuell eh, warum ich dir für das pöbeln noch Backlinks schenke ….

  • Tanja sagt:

    Damit der Kunde rechtlich richtig in Verzug ist, muss ein Datum dort stehen. Also nicht innerhalb von 14 Tagen, sondern bis spätestens zum 19.05.2010. Deswegen ja auch die Mahnung, weil man in der Regel dort das Datum dann reinschreibt (in der Rechnung steht ja meistens ein Zeitraum) und der Kunde dann bei Überschreiten des Datums in Verzug gerät.
    Zumindest wurde mir das mal so gelernt. Ich bin aber kein Jurist, um es definitiv sagen zu können, ob es immer noch so ist.

  • Sensei sagt:

    @Tanja, ok so hatte ich das auch verstanden, wenn das aber so wäre, könnte man sich ja die Angabe des Zeitraumes auf der Rechnung fast sparen. Schade, dass wir wahrscheinlich keinen Juristen finden werden der uns an dieser Stelle darüber aufklärt was stimmt.

  • Tim_G sagt:

    @ Sensei
    Selbst wenn du einen (oder auch mehrere) Juristen findest, der dir darüber eine Info gibt, lässt sich bestimmt auch ein Gericht finden, welches der gegenteiligen Meinung ist. Auslegungssache eben und im Zweifel für den Angeklagten (bzw. den Zahlungsunwilligen).

  • Sensei sagt:

    @Tanja ich wollte vor allem darauf hinaus, dass ich selbst als Anwalt in einem Kommentar vorsichtig sein würde mich zu äußern, damit das nicht als Rechtsberatung gilt. Da scheint es ja einige Probleme zu geben.

  • Tanja sagt:

    Kuck mal hier: http://www.mahnung-online.de/mahnverzug.html#top2

    und wir sind keine Juristen und Rechtsberatung machen wir schon gleich drei mal nicht ;-)

  • Ron sagt:

    @Sensei: Zunächst danke für deinen netten Kommentar. Ab und an werde ich sicher mal Meinungen zu rechtlichen Themen abgeben. Soll aber nicht unbedingt das Hauptthema des Blogs werden und schon gar keine Rechtsberatung.

    @all: Was ihr zu diesem Thema hier sucht findet ihr eigentlich gesetzlich geregelt hier: http://dejure.org/gesetze/BGB/286.html
    Hoffe das hilft etwas.

  • Sensei sagt:

    hey Ron,

    danke fürs rein schauen. Genau so etwas ist das, was man von Zeit zu Zeit braucht.

  • Ronny sagt:

    Ich kenne es nur zu gut, wenn Kunden Rechnungen nicht bezahlen. Allerdings helfen bei manchen nette Worte ganz einfach nicht mehr und so muss man sich an den rechtlichen Möglichkeiten bedienen. Jedoch verzichte ich seit jeher auf Inkassounternehmen und wähle sofort den gerichtichen Mahnbescheid.

  • Sensei sagt:

    Das mit den netten Worten hatte ich in letzter Zeit immer öfter, allerdings habe ich bis jetzt immer auf weitere Schritte verzichtet, weil es nicht so viel Geld war, dass es sich meiner Meinung nach lohnt, für 100€ lohnt sich die Arbeit die man sich machen muss einfach nicht ^

  • Nils-Christian Müller sagt:

    Ich kann gar nicht glauben, dass sich so viele Menschen mit dem Thema beschäftigen?!?!? Man kann sich aus meiner Sicht auf zweierlei Sicht schützen, Thema Factoring, Factorer zahlt kurzfristig 90%+x vom Rechnungsbetrag der an den kunden geht aus und übernimmt i.d.R. auch die Verfolgung bei Nichtzahlung oder den Ausgleich bei Insolvenz ODER Warenkreditversicherung (Forderungsausfallversicherung) abschließen, keine Police für die Schublade! Alle Debitoren, die versichert werden sollen, werden vom Versicherer geprüft und mit Limiten versehen (oder nicht, dann neg. Infos), die Versicherung zahlt bei Insolvenz 70-90% der Forderung, je nach SB, gleiches gilt bei reiner Nichtzahlung, ebenso haben viele Policen einen Vertragsrechtsschutz für bestrittene Forderungen. Hören Sie mir doch auf mit Inkasso, wie lange wollen Sie denn auf Ihre Geld warten, solange der Schuldner nicht in die Insolvenz geht, 6 Monate, 12 Monate?

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