Blogger sind die besseren Texter

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Ich habe mich mal wieder einem spannenden Thema gewidmet und verglichen aus welcher Feder die besseren Texte kommen. Schreiben professionelle Texter besser und schneller oder doch wir Blogger?

Um das Ergebnis vorweg zu nehmen, Blogger schreiben besser, vor allem die guten (irgendwie klar). Aber wie bin ich zu diesem Ergebnis gekommen? Ich habe mir mal einige statische Seiten angesehen die ich so kenne und dann auch einige Blogs und dann versucht festzustellen wo die Texte besser geschrieben sind.

Falls ihr mir nicht glaubt, oder mein Ergebnis überprüfen wollt, könnt ihr also auch einfach mal einen kleinen Selbstversuch starten, wahrscheinlich kommt ihr zu einem ähnlichen Ergebnis.

Bei den Texten habe ich vor allem darauf geachtet, welche Texte einen packen, so das man sie unbedingt zu Ende lesen will. Hinzu kommt der Schreibstil also ob sie freundlich geschrieben sind und vor allem wie mit dem Leser umgegangen wird. Schreib ein Oberlehrer oder kommt man sich vor als ob man mit dem Verfasser auf einer Ebene steht?

Die besseren Texten findet man garantiert auf Blogs! Eigentlich ist das doch komisch denn als professioneller Texter muss man von seinen Texten leben und als Blogger macht man es meistens aus Spaß. Hinzu kommt aber noch, das Texter in den meisten Fällen auch mehr Erfahrung besitzen, höher qualifiziert sind. Blogger hingegen machen beruflich meist etwas völlig anderes und sind in diesen Bereichen eher wenig Ausgebildet.

Wieso aber gelingt es dann vielen Bloggern, ja es sind nicht alle aber man muss ja mal etwas provozieren, besser zu schreiben als es viele Textern tun und können. Eine berechtigte Frage auf die ich auch gestoßen bin und die ich in 5 Punkten beantworten möchte.

1. Blogger wissen worüber sie schreiben

Als professioneller Texter ist man gezwungen jeden Tag über andere Themen zu schreiben, vor allem wenn es Freiberufler sind, denn das Geld zum Leben muss natürlich verdient werden. Wenn ein Texter also über fast alles schreibt, dann sind auch sicher viele Themen dabei die ihn nicht interessieren und genau deshalb wissen sie wenig darüber. Klar kann man als Copywriter dann den Kunden fragen, aber wenn er die Zeit hätte um einen einzuarbeiten könnte er den Artikel gleich selber schreiben.

Bei uns als Blogger ist das anders, wir schreiben über das was uns in den Sinn kommt und woran wir Spaß haben. Es interessiert uns also, wir sind eigentlich immer im Thema und brauche keine lange Vorbereitung. Können dafür aber nur ein kleines Themenspektrum abdecken.

Daraus folgt aber, das man als Blogger leichter informative und zugleich hilfreiche aber auch angenehm zu lesende Artikel schreiben kann.

2. Blogger kennen ihre Leser

Als Texter kennt man die Seiten des Kunden nicht und weiß folglich also auch nur aus den Angaben des Kunden wer die Artikel am Ende lesen kann. Man weiß daher aber immer noch nicht ob diese Artikel dann auch wirklich von den entsprechenden Leuten gelesen werden und es fehlt die Rückmeldung wenn ein Artikel mal nicht dem Anspruch der Leser entspricht. Kunden kennen meistens ihre Produkte wesentlich besser als ihre Leser, denn meistens fehlt komplett der Kontakt zu ihnen.

Ganz anders auf Blogs, da gibt es Kommentare wo jeder seinen Senf dazugeben kann, hinzu kommen Twitter und Facebook wo noch einmal jeder die Chance hat seine Meinung zu einem Artikel kundzutun. Versteht der Blogger etwas von seinem „Handwerk“ dann wird er diese Kommentare nicht nur lesen, sondern sie auch beantworten sondern auch für sein weiteres Handeln berücksichtigen. Es gibt also einen ständigen Dialog zwischen Lesern und Bloggern so dass die Qualität der Artikel immer verbessert werden kann und immer mehr zu dem wird, was die Leser erwarten.

Blogger wissen also nicht nur was sie sagen wollen, sondern auch wie sie es sagen müssen, damit es bei ihren Lesern ankommt.

3. Blogger schreiben nicht für Kunden

Als Texter ist man gezwungen für einen Kunden zu schreiben und Kunden sind wie Türsteher. Selbst wenn man den besten Artikel geschrieben hat und er die Zielgruppe perfekt ansprechen würde, gefällt er dem Kunden nicht, wird er nicht veröffentlicht. Texter müssen also das schreiben was der Kunde lesen will und können dabei nur sekundär auf die „Wünsche“ der Zielgruppe Rücksicht nehmen, denn sie sind ja darauf angewiesen, das der Artikel dem Kunden gefällt, damit sie bezahlt werden.
Wie schon in Punkt 2 angerissen, wissen die meisten Kunden wenig über ihre eigenen Leser. Sie kennen ihr Produkt und sie wollen das in dem Artikel deutlich wird, warum dies oder jenes an ihm so cool ist, auch wenn die Leser nicht mal für das Produkt aufstehen würden, wenn sie es umsonst bekommen würden. Außerdem sind viele von ihnen Rechtschreib-Paragraphenreiter, man beginnt keinen Satz mit „weshalb“ oder „und“ das hat mir mein Lehrer schon damals in der 4ten Klasse beigebracht.

Für Blogger sieht die Situation wesentlich entspannter aus, wie man auch an meinen Artikeln erkennen kann. Ich schreibe so wie ich Lust habe, den der einzige dem die Artikel neben meinen Lesern noch gefallen müssen bin ich selbst. Da ist es mir doch auch egal ob ich eine komplett 100-prozentige Grammatik habe. Wenn ich für eine Aussage ein „und“ am Anfang des Satzes brauche dann nehme ich es PUNKT. Ist ja mein Blog, da kann ich machen was ich will. (Siehe Content is NOT King)

4. Blogger schreiben nicht für ihre Lehrer

Einen Teufel der bei den meisten Textern auf der Schulter sitzt, nämlich den Kunden, habe ich euch ja schon „vorgestellt“ aber es gibt noch einen anderen, nämlich den auch schon fast angesprochenen Lehrer. In der Schule hat man gelernt das vor allem komplexe Sätze von einem hohen Sprachverständnis zeugen und da Texter sich auch gerne mal als Künstler sehen die so ein Sprachverständnis natürlich besitzen, kommen oft mords komplizierte Sätze bei heraus, die dann keine Sau mehr versteht.
In der Schule würde man sagen „Ziel der Aufgabe verfehlt“, denn wenn der Leser dem Autor nicht mehr folgen kann, ist der Artikel überflüssig.

Auf der anderen Seite stehen wieder die Blogger, wie auch schon erwähnt, schreiben die meisten, mich eingenommen, so wie ihnen die Schnauze gewachsen ist und so wie man normaler Weise spricht. Der große Vorteil ist dabei auch wenn es um komplexere Themen geht hat der Leser keine Probleme ihnen zu folgen, denn er kennt ja die Sprache die sie benutzen. Bei mir ist es das gebe ich zu teilweise etwas schwerer, weil ich sehr oft vergesse einen Punkt zu machen, dafür aber die Sätze irgendwie in einander verschachtelt.


5. Blogger schreiben „best practices“

Ok, ich gebe zu die Überschrift ist irgendwie doof. Mir ist aber dummer Weise nichts eleganteres eingefallen um den Ausdruck „best practices“ in das deutsche zu überführen. Worum es geht ist, das selbst wenn viele Texter wissen wie es richtig ginge nicht danach Arbeiten. Zum einen wegen der Abhängigkeit von ihren Kunden, die sie mit Vorgaben bombadieren zum anderen aber auch, weil sie in ihrem Streben einfach vom „rechten“ Weg abgekommen sind und es ihnen völlig egal ist, solange sie bezahlt werden.

Bei Bloggern behaupte ich einfach mal 90% aller Blogger folgen dem was funktioniert also „best practices“ ist. Entweder haben sie es mit der Zeit gelernt, von anderen Übernommen oder sie haben einfach einen Sechsten Sinn. ABER sie versuchen sich daran zu halten, denn so kommen natürlich auch mehr Leser.

Sind Texter jetzt totale Versager?

NEIN, sicher nicht und dieser Artikel soll das Handwerk der Texter oder ihre Arbeit in keiner Weise schmälern. Es ist aber leider Gottes oft so, das viele Texter nicht die Qualität in ihren Artikel unterbringen könne, wie sie gerne möchten. Das liegt aber nicht an ihnen selbst, sondern daran, dass sie unter Ganz anderen Bedingungen und vorgaben Arbeiten.

Für einen Texter ist es natürlich effektiver so zu schreiben das es dem Kunden sicher gefällt, denn so muss der Artikel nicht überarbeitet werden. Eventuell hilft ja dieser Artikel auch dem Einen oder Anderen Texter mal wieder darauf zu achten, ob es eventuell doch Möglichkeiten gibt mehr auf den Leser einzugehen.

Was heißt das jetzt für uns Blogger?

Wenn jetzt jemand wegen diesem Artikel los zieht mit der Nase in den Wolken, dann hat er nicht verstanden worum es hier geht. Für einen Blogger heißt das, weitermachen wie bisher, zumindest wenn ihr die Freiräume die ihr habt, dadurch das ihr frei entscheiden könnt wie und über was ihr schreibt auch sinnvoll nutzt. Bietet euren Lesern etwas mit dem sie etwas anfangen können und lasst eurem Blog nicht zu einer Sammlung von Artikeln verkommen, mit denen man statische Seiten bestücken könnte.

So das war es, muss ich mich jetzt ducken oder weglaufen? Nö, ist ja mein Blog :D, nichts desto trotz würde ich mich freuen wenn ihr eure Meinung als Kommentar hinterlasst. Auch oder gerade wenn ihr mir nicht zustimmt.

Sensei

Geschrieben von Sensei am 09. 10. 2010
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7 Kommentare zu “Blogger sind die besseren Texter”

  • Sandra sagt:

    Für dich selber scheinen deine neuen Erkenntnisse offensichtlich nicht zu gelten.

  • Sensei sagt:

    @Sandra klar gelten sie, aber ich hab im Text schon selber geschrieben gehabt, das ich selber weiß, das ich nicht unbedingt allen Punkten entspreche.

    Will ich aber auch nur bedingt, also nur so weit, wie mein eigener Stil dadurch nicht verloren geht und dazu zählen (leider) auch lange komplizierte Sätze.

  • Kiwi sagt:

    Netter Artikel :)

    @Sandra: Naja, ich meine: wenn du den Artikel tatsächlich gelesen hast, dann muss der Blogger, Sensei, wohl etwas richtig gemacht haben. Der Einstieg war wirklich gut, wie ich finde. Das ist etwas, was nicht jeder schafft ;)

    In einem Punkt stimme ich dir allerdings nicht zu, Sensei: “…da Texter sich auch gerne mal als Künstler sehen die so ein Sprachverständnis natürlich besitzen, kommen oft mords komplizierte Sätze bei heraus, die dann keine Sau mehr versteht.”
    Sicher gibt es diese komplizierten Sätze. Aber dann ist der Artikel auch für entsprechende Leser ausgelegt, die mit solchen Sätzen klarkommen. Ansonsten ist der Texter kein wirklich guter Texter. “Gute” Texter können Sachverhalte verständlich darstellen.

    Man sollte nun allerdings auch ein anderes Experiment ausprobieren: was passiert, wenn Blogger im Auftrag einer “Agentur” schreiben? Könnte es nicht sein, dass Texter – wenn sie ihr Thema selbst wählen – absolut faszinierende, fessselnde Texte schreiben? Im Gegensatz dazu dürfte es den meisten Bloggern schwer fallen, sich an Richtlinien zu halten. Ich stelle mich für den Versuch als Blogger bereit ^^

    Wenn Texter nunmal eine objektive Beschreibung über einen Sachverhalt, eine Website-Kategorie oder ein Ereignis schreiben müssen, dann kann man das nicht mit den unabhängigen, oft meinungsorientierten Artikeln von Bloggern gleichsetzen.

  • Sensei sagt:

    @Kiwi was deinen Vorschlag mit dem Expiriment angeht denke ich das kann man sich sparen, denn dann hätten wir wieder den Fakt, das der Kunde akzeptieren muss. Also wird sich auch ein Blogger den Bedingungen früher oder später anpassen müssen.

    Es geht ja weniger darum in diesem Artikel zu sagen, warum Texter nicht Texten können, sondern die versuchte Hauptaussage ist ja, warum Blogtexte oftmals ansprechender sind.

    Wenn jetzt ein professioneller Texter für seine eigene Seite schreibt, dann wir das sicher mindestens genau so gut werden wie bei einem Blogger, denn hier kann ja auch er machen “was er will”.

    Bei deinem letzten Punkt gebe ich die zumindest etwas recht, es kommt immer drauf an, was mit einem Artikel erreicht werden soll. Wenn er objektiv sein soll, dann muss der Texter auch so schreiben, aber er kann nicht entscheiden ob es eventuell effektiver wäre ihn nicht so objektiv zu gestalten.

  • Blogger und Texter kann man genauso wenig vergleichen wie Tagebuchschreiber und Autoren: Jeder schreibt aus anderen Gründen. Das Kriterium wer “besser” textet, kann deshalb meiner Meinung nach nicht angewendet werden.

    Einem spannenden, informativen Blogtext verzeihe ich deshalb auch Komma-, Rechtschreib- und Grammatikfehler in der Fülle, wie sie in diesem Artikel vorkommen. Wenn er denn spannend und informativ wäre.

  • Alex L sagt:

    Hi,
    ein schöner Artikel zum Nachdenken und für eigene Äusserungen. Ich habe schon mal ein paar Texte eines Germanistik-Studenten gelesen, was mich schon irgendwie begeisterte. Aber es war nicht die Sprache eines Bloggers, welche in einem informierenden Blog höchstwahrscheinlich erwartet wird. Ich tippe mal darauf, dass man als Blogger versucht, nicht allzu hoch wissenschaftlich zu schreiben. Auch komplizierte Sachverhalte möchten wir doch etwas einfacher darlegen, davon ausgehend, dass der Leser damit eher zurechtkommen würde.

    Ich schreibe ebenfalls nach Lust und Laune, habe mich aber in den letzten Monaten verbessert, meines Empfindens nach. Letztendlich versucht man als Blogger, die richtige Ausdrucksweise samt der Grammatik etc.pp. anzuwenden. Wenn sich dabei hin und wieder Fehler einschleichen, dann ist es eben so. Um das möglichst zu vermeiden bzw. gering zu halten, gibt es Korrekturlesen. Irgendwo hat man einer der Kommentatoren gesagt, man sei ein Weichei, wenn man eigene Texte vor dem Veröffentlichen einmal durchliest, evtl. dies und jenes korrigiert. Da ist nichts dabei und ich finde, dass wir Blogger beim Schreiben wohl kaum gleichgültig sind.

    Diese Texter, welche täglich bis zu 20 Kurztexte abfertigen, schreiben bestimmt auf eine andere Art und Weise. Und ich kann es mir schon vorstellen, dass es ein harter Job ist. Solche Texte sind meistens mit mindestens 250 Wörtern und müssen irgendein Thema umschreiben. Oft schreibt man zum ein und demselben Thema 20 verschiedene Texte. Das ist doch schon abartig, finde ich. Als Blogger agiert man ganz anders.

  • Andrea sagt:

    Dachte am Anfang auch, dass hier die professionellen Texter mies gemacht werden sollen, aber das ist auch nicht der Fall. Hab mal nach dem Studium kleiner Texteraufgaben gemacht – es ist 1. eine Kunst, 2. wahnsinnig mühsam und 3. schlecht bezahlt… Als 4. könnte man noch anfügen, dass es trotzdem eine klasse Arbeit ist.
    Ich würde auch den inhaltlichen Aspekt noch anfügen. Zwar vertrete ich selbst die Auffassung, dass jedes Thema interessant werden kann, aber es gibt einfach solche, die in einem kurzen Text kaum ansprechend dargestellt werden können.
    LG, Andrea

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